Rudolf G. Psychotherapeutische Identität Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen (2016)

In der gut hundertjährigen Geschichte der Psychoanalyse standen die einzelnen Therapeuten immer wieder vor der Aufgabe, die richtigen Theorien zu vertreten, die richtigen Behandlungstechniken einzusetzen und sich dadurch für eine richtige psychoanalytische Gruppierung zu qualifizieren. Dieser Anspruch auf das Richtige wird gegenwärtig in der Psychotherapie kaum noch vertreten. Es kann nicht mehr darum gehen, dass sich der einzelne Therapeut, die einzelne Therapeutin, mit dem identifiziert, was die jeweilige therapeutische Organisation oder Gemeinschaft als wahr, richtig und verbindlich definiert hat. Heute wird das Wesen des Psychotherapeutischen auf die Persönlichkeit des Therapeuten und auf die Anforderungen bezogen, die dieser spezielle Beruf an ihn oder sie richtet. Identität wird heute nicht mehr als Ergebnis einer Sozialisation und Eingliederung in eine Berufsgruppe aufgefasst, sondern als die persönliche Reifung einer Selbstidentität. Diese ermöglicht Therapeuten, Patienten mit sehr belasteten Lebenserfahrungen und schwierigen Beziehungsmustern zu einem neuen Gleichgewicht und einem besseren Selbstverständnis zu verhelfen.

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Inhaltsverzeichnis und Leseprobe

Rudolf G., Rüger U. (2016) Psychotherapie in sozialer Verantwortung Annemarie Dührssen und die Entwicklung der Psychotherapie Schattauer: Stuttgart (2016)

Annemarie Dührssen (1916–1998) gilt als eine der einflussreichsten Psychotherapeutinnen der Nachkriegszeit in Deutschland. Die Psychiaterin und Psychoanalytikerin leitete lange Zeit das Institut für Psychogene Erkrankungen in Berlin, veröffentlichte ein Standardwerk zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und forschte vor allem zur Wirksamkeit von Psychotherapie.

Ihre Katamnese-Studien trugen wesentlich dazu bei, dass die Psychotherapie 1967 in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen wurde. Den dafür notwendigen konzeptuellen Entwicklungsprozess von einer „tendenzlosen Psychoanalyse“ zu „psychoanalytisch begründeten Behandlungsverfahren“ begleitete Annemarie Dührssen mit mehreren Monographien. Sie prägte dabei den Begriff der „Dynamischen Psychotherapie“.

Wissenschaftliches und soziales Engagement verknüpfen sich bei Dührssen in herausragender Weise. Ihr Werk ist bis heute in vielen Bereichen der Psychotherapie richtungsweisend geblieben und konnte in ihrem Sinne weiterentwickelt werden. In diesem Buch berichten Zeitgenossen, Kollegen und ehemalige Mitarbeiter über Annemarie Dührssen und die Bedeutung ihres Werks für die heutige psychotherapeutische Versorgung.

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Rudolf G. (2015) Wie Menschen sind Eine Anthropologie aus psychotherapeutischer Sicht Schattauer: Stuttgart (2015)

Im Hinblick auf die rasanten technischen Entwicklungen und gesellschaftlichen Umwertungen der Gegenwart stellt sich die Frage,inwieweit darin neue Anreize oder oder ernsthafte Bedrohungen für den Entwicklungsprozeß der menschlichen Persönlichkeit enthalten sind.

Auf der Suche nach überdauernd gültigen und aktuell sich wandelnden Bildern vom Menschen diskutiert das Buch vor dem Hintergrund psychotherapeutischer Erfahrung zunächst Aspekte des Triebhaft-Animalischen,der emotionalen Beziehungen und des rationalen Denkens .Sodann stellt es die in historischer Zeit erfolgte Entstehung des selbstreflexiven Subjekts in den Mittelpunkt,aus der heraus kulturelle,religiöse und künstlerische Entwicklungen und eine mitmenschliche Verantwortlichkeit erst möglich wurden.Dabei entsteht ein Bild vom Menschen,das vor allem durch einen lebenslangen Prozess des Werdens geprägt ist,in dem Menschen vor der Aufgabe stehen,die teilweise nicht bewussten Einflüsse ihrer biographischen Erfahrung und tief verwurzelten Überzeugungen,ihrer beständig erlebte animalische Leiblichkeit und ihrer gelebten Soziokultur in sich zu integrieren und eine beziehungsfähige menschliche Persönlichkeit entstehen zu lassen.

Angesichts der stets fragil gebliebenen menschlichen Entwicklung und ihrer sich unter den rasch verändernden Lebensbedingungen sichtbar werdenden Störbarkeit werden die aktuellen Einflussmöglichkeiten der Psychotherapie erörtert und es werden abschließend in einer anthropologischen Erweiterung Maximen formuliert,die als überdauernde Leitideen eines selbstverantworteten Lebens ,als Gegenmodell gegen sich abzeichnende regressiv destruktive Entwicklungen und damit auch als psychotherapeutische Wertideen gelten können.

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Rudolf G. (2013) Strukturbezogene Psychotherapie Leitfaden zur psychodynamischen Therapie struktureller Störungen 3. Aufl. Schattauer: Stuttgart (1. Aufl. 2004, 2.Aufl. 2006)

Von den bisher erfolgten Veröffentlichungen hat diese die größte Resonanz erzielt. 2004 erschienen ,unter Mitarbeit von H.Horn konzipiert,wurde das Buch mit dem damals neu gestifteten Heigl-Preis ausgezeichnet. Es folgten Nachdrucke, eine überarbeitete Neuauflage 2006, weitere überarbeitete Neuauflage 2013.

Auf der Grundlage der Begrifflichkeit von OPD wurde die psychodynamische Behandlung von persönlichkeitsstrukturellen Störungen im Hinblick auf entwicklungspsychologische Erfahrungen und neurobiologische Befunde konzeptualisiert. Der Entwurf wurde klinisch-therapeutisch und in der Praxis bei Erwachsenen und Jugendlichen erprobt und als Therapiemanual formuliert. Die aktuelle 3. Auflage kann sich auf eine größere Anzahl von inzwischen in der OPD-Arbeitsgruppe durchgeführten empirischen Studien zu klinischen und therapeutischen Bedeutung der strukturellen Funktionen bzw. des verfügbaren Strukturniveaus stützen. Für psychodynamische Therapien ist die Arbeit an der Struktur heute ein ebenso selbstverständlicher Aspekt wie die Bearbeitung aktualisierter unbewusster Konflikte. Da die strukturellen Störungen verhaltensnah beschrieben werden, bestehen auch für Verhaltenstherapeuten keine konzeptuellen Barrieren. Strukturbezogene Psychotherapie hat sich als besonders hilfreich bei der Behandlung von Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen und Abhängigkeitserkrankungen erwiesen und spielt vor allem in der Behandlung von Jugendlichen heute eine maßgebliche Rolle.

Englische und Spanische Übersetzungen sind in Vorbereitung.

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Rudolf G. (2014) Psychodynamische Psychotherapie Die Arbeit an Konflikt, Struktur und Trauma 2. Aufl. Schattauer: Stuttgart (1. Aufl. 2010)

Als therapeutisch praktikable Anwendung der Psychoanalyse wurde in Deutschland bei der Einführung der Richtlinienpsychotherapie 1968 die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie eingeführt, daneben stand als zeitlich und inhaltlich begrenzte Psychoanalyse die analytische Psychotherapie. In der amerikanischen Entwicklung wurden die beiden psychoanalytisch begründeten Verfahren als „psychodynamische Psychotherapie“ zusammengefasst und in vielen Varianten von short term und long term differenziert und empirisch untersucht.

Das Buch folgt dieser Logik und beschreibt die psychodynamischen Prinzipien, die allen psychoanalytisch begründeten Vorgehensweisen gemeinsam sind und die einer wissenschaftlichen Betrachtung und Untersuchung standhalten. Dabei wird die Logik des unbewussten Konflikts und seiner therapeutischen Bearbeitung ebenso beschrieben wie die therapeutische Arbeit an strukturellen Defiziten. Als dritter ätiopathogenetischer Aspekt wird die Traumatisierung und Traumafolgestörung diskutiert, deren psychodynamisches Verständnis heute ebenfalls bedeutsam ist. Zugleich sind aber viele Therapeuten durch dieses Konzept sehr fasziniert, so dass die krankheitsverursachende Bedeutung von vermuteten Traumata eher überschätzt wird.

Besonderes Gewicht wird in der Darstellung in Anlehnung an OPD auf Themen der Diagnostik und Therapieplanung gelegt und auf die therapeutische Zielsetzung und ihre empirische Überprüfung. Darüber hinaus werden Aspekte der therapeutischen Ausbildung, der wissenschaftlichen Geschichte der analytischen Psychotherapie und ihre Menschenbildannahmen erörtert.

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Rudolf G., Henningsen P. (Hrsg) Psychotherapeutische Medizin und Psychosomatik Ein einführendes Lehrbuch auf psychodynamischer Grundlage 7. Aufl. Thieme: Stuttgart

Dieses Buch entstand Anfang der 90er Jahre aus zwei Gründen; einmal als gemeinschaftsbildendes Projekt, in dem der Leiter der Klinik zusammen mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Stand des Wissens zusammenfassen wollte, das im Studentenunterricht vermittelt wurde. Im Hinblick auf die Studierenden der Medizin und Psychologie, die am Unterricht teilnahmen, schien es didaktisch wichtig, die oft komplizierten und zuweilen nebulösen Konzepte der psychoanalytisch-psychodynamischen Krankheitslehre und Behandlungstheorie auch für Anfänger transparent zu machen. Der erste Entwurf erwies sich als geeignet, werdenden Fachärzten für psychotherapeutische Medizin, ebenso wie psychologischen Psychotherapeuten ein Basiswissen des Gebiets zu vermitteln. Ursprünglich bei Enke, Stuttgart erschienen, erlebte das Buch dort 3 Auflagen, ehe es von Thieme übernommen wurde. Nachdem die ersten 5 Auflagen von dem Autor (G.R.) unter Mitarbeit zahlreicher Kolleginnen und Kollegen verantwortet wurde, kam in der 6. Auflage Peter Henningsen hinzu, der nun mit mir zusammen als Herausgeber fungiert. Die aktuelle 7. Auflage (2012) ist nach den Lehrbucherfahrungen des Thiemeverlags neu strukturiert und inhaltlich von vielen neuen Mitarbeitern auf den aktuellen Stand gebracht.

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Stasch M., Grande T., Janssen P., Oberbracht C., Rudolf G. (2016) OPD-2 im Psychotherapie-Antrag Psychodynamische Diagnostik und Fallformulierung Hogrefe: Bern (2. überarbeitete Auflage)

Die OPD stellt der psychodynamischen Psychotherapie nicht nur eine Grundlage der Diagnostik sondern auch der Behandlungsplanung zur Verfügung. Das vorliegende Buch, verfasst von fünf Mitgliedern der OPD, verdeutlicht anhand von Fallbeispielen die Anwendung der OPD auf tiefenpsychologisch fundierte und analytische Behandlungsfälle. Insbesondere macht der Text konkrete Vorschläge dafür, wie die OPD-Aspekte in den „Bericht zum Antrag“ auf Richtlinienpsychotherapie zweckmäßig eingebunden werden können.

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Rudolf G., Jacobsen T., Keller W., Krawietz B. et al. (2012) Umstrukturierung als Ergebnisparadigma der psychodynamischen Psychotherapie Ergebnisse aus der Praxisstudie Analytische Langzeittherapie Z. Psychosom. Med. Psychother 51, 55-66)

Die Frage, was sich im Laufe einer Psychotherapie bei Patienten verändert, konnte lange Zeit nur im Hinblick auf die Symptomreduzierung – subjektiv erlebt oder objektiv testpsychologisch im Vorher-Nachher-Vergleich – beantwortet werden. Über alle anderen vorstellbaren und wünschenswerten Veränderungen im Erleben und Verhalten der Patientenpersönlichkeit wurde viel diskutiert, aber speziell unter Analytikern kein Konsens erzielt. Die Heidelberger Arbeitsgruppe entwarf als Instrument eine "Umstrukturierungsskala", mit deren Hilfe sich die Veränderung in den vor Therapiebeginn festgelegten Focuspunkten erfassen lässt.Die „Praxisstudie analytische Langzeittherapie“ belegt in ihren Ergebnissen, dass das Bewusstwerden von Persönlichkeitsproblemen und die Auseinandersetzung des Patienten damit reliabel erfasst und gewichtet werden kann. Das erzielte Ausmaß der so erzielten „Umstrukturierung“ ist kennzeichnend für unterschiedliche Therapieformen (besonders gute Effekte bei analytischen Langzeittherapien). Darüber hinaus ist die Umstrukturierung im Gegensatz zur Symptombesserung ein bedeutsamer Prädiktor für positive Langzeitverläufe in den Jahren nach Jahren nach Behandlungsende.

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Rudolf G. (2012) Opferüberzeugungen. Die „neuen Störungsbilder“. Faszination und Schwierigkeitena Forum Psychoanal. 28, 359-372

Im gesellschaftlichen Diskurs, d.h. in den Medien, aber auch im Sprachgebrauch der Psychotherapeuten kommen und gehen Krankheitsbegriffe und Überzeugungen von krankmachenden Bedingungen. Gegenwärtig werden Konzepte wie Mobbing, Burnout und Trauma von Patienten und Therapeuten viel verwendet. Die Gemeinsamkeit der Begriffe liegt in der Überzeugung, dass jemand zum Opfer unerträglicher Belastungen geworden sei. Solche Entwicklungen, speziell i.S. von Traumafolgestörungen gibt es, aber sie sind nach epidemiologischen Untersuchungen vergleichsweise selten. Insbesondere die Traumafolgestörung PTSB wird zunehmend von vielen Therapeuten als Erklärung schwieriger Lebensentwicklungen und therapieresistenter Behandlungsverläufe herangezogen. Eine Popularisierung des Traumabegriffs als Synonym für jedwede Lebensbelastung ist unübersehbar. Die therapeutische Zuweisung einer Opferidentität im Rahmen von nicht begründeten Traumatherapien ist, wie die problematischen Verläufe erkennen lassen, häufig kontraproduktiv und nicht im wirklichen Interesse der Patienten.

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